Trauer beschreiben: Umgang mit dem Tod.

1. November 2014
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Anders als in anderen Kulturen ist der Tod in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Auch soziale Netzwerke beschäftigen sich immer noch sehr zaghaft damit. Dabei wird Facebook einmal der größte Friedhof der Welt sein. Was tun, wenn man vom Tod eines Bekannten erfährt?

 

Die gute Nachricht zuerst: 7% aller Menschen, die je auf diesem Planeten gelebt haben, tun das immer noch. Denn einer Schätzung zufolge gab es seit Anbeginn des Homo Sapiens 100 Milliarden Menschen auf der Welt – und davon weilen unglaubliche 7 Milliarden derzeit immer noch unter den Lebenden. Doch durch die zunehmende digitale Vernetzung werden wir immer öfter mit dem Tod konfrontiert – von nahen und entfernten Verwandten bis hin zu völlig Fremden.

 

Bestand zu Lebzeiten kein echter Konnex, ist online trauern legitim.

Wenn Prominente wie Karlheinz-Böhm, Paul Walker oder Robin Williams sterben, dann landet das binnen Minuten im Internet. Und nicht nur dann. Denn manchmal ist der vermeintlich Verstorbene noch gar nicht wirklich tot, sondern nur eine Ente. Der erst kürzlich fälschlich totgesagte Bud Spencer etwa machte bei seinem 85. Geburtstag einen recht lebendigen Eindruck. Seien Sie also lieber eine Weile lang kritisch, wenn eine Todesmeldung im Internet auftaucht. Erst wenn das Ableben eines Menschen zur traurigen Gewissheit wird, fragen Sie sich, was es in Ihnen auslöst und wie viel davon Sie nach außen zeigen sollten. Schließlich spielt auch die Entfernung zu den unmittelbar Betroffenen bei der Verhältnismäßigkeit ein Rolle. Bei prominenten Verstorbenen ist es heutzutage durchaus üblich und auch völlig legitim, auf Facebook ein entsprechendes Statusupdate zu veröffentlichen. Denn manche davon werden Ihnen vermutlich wirklich fehlen. Und die Familie wird es definitiv als Zeichen der Anerkennung werten. Robin Williams’ Witwe wird sich allerdings keinen Brief von Ihnen erwarten, zumal sie vermutlich nicht ihre Adresse haben. Ebensowenig wird es Sinn machen, den Opfern einer Flutkatastrophe in Uganda oder eines Lawinenunglücks in Graubünden einen Brief zu schreiben. Doch man kann durchaus öffentlich machen, dass man an sie denkt und den Familien viel Kraft wünscht. Und vielleicht etwas spenden, sei es Trost oder Hilfsgüter.

 

Sterben 2.0: Beisetzung im Kreis der Facebook-Freunde.

Schätzungen zufolge könnte es auf Facebook bereits in weniger als 45 Jahren mehr Profile von Toten als von Lebenden geben. So schnell kann’s gehen: von der hippen, dynamischen Plattform zum riesigen Online-Friedhof. Daran hat Mark Zuckerberg bei der Gründung 2004 noch kaum gedacht. Die Facebook Community war jung, über Sterbefälle zerbrach sich kaum jemand den Kopf. Wer auf Facebook postet, lebt. Mittlerweile hat auch Facebook erkannt, dass sich das ändern kann: Mit der neuen App “If I die“ kann man für den Ernstfall vorsorgen und schon zu Lebzeiten sein Vermächtnis für die Community aufnehmen. Für die Hinterbliebenen bietet Facebook heutzutage zwei Möglichkeiten. Entweder das Profil des Verstorbenen komplett löschen lassen oder es in den sogenannten „Gedenkzustand“ versetzen. Der oder die Verstorbene kann dann keine neuen Freunde mehr annehmen, und wer die Person einmal „entfreundet“ hat, kann logischerweise auch nie mehr zurück. Sehr bezeichnend: Mit Toten kann man sich im Internet eben nur schwer anfreunden. 

 

 

 Social Media Sensenmann

 

Familie, Freunde, Netzwerke: achten Sie auf die Chronologie!

Da sich auf Facebook nicht nur nahe Freunde tummeln, kann das soziale Netzwerk ein probates Mittel sein, die sogenannte „zweite Riege“ über einen Todesfall zu informieren, damit aus deren Unwissenheit keine makabren Fauxpas à la „Wann gehen wir mal wieder Fußball spielen?“ oder „Warum meldest du dich nicht?“ auf das Profil des Verstorbenen gepostet werden. Doch es sollte keinesfalls die erste Adresse sein, um dem engeren Kreis vom Ableben eines geliebten Menschen wissen zu lassen. Familie und enge Freunde wollen nicht auf dem gleichen Weg vom Tod eines geliebten Menschen erfahren wie der Nachbar aus dem letzten Urlaub, der Bekannte aus dem Kegelclub oder der Studienkollege.

 

Peinlichkeiten vermeiden: Wann Schweigen Gold ist.

Auch wenn ein Todesfall immer tragisch ist – nicht jeder muss unbedingt darauf reagieren. Der Nachbar aus dem letzten Campingurlaub etwa, der irgendwann vielleicht zwei Nachmittage lang mit dem Verstorbenen gegrillt hat, wird kaum wissen, wie er damit richtig umgehen soll. Falls Sie eine verstorbene Person kaum kannten, Sie zu Lebzeiten nicht mochten oder nur wenig zu sagen haben, dann halten Sie sich lieber zurück. Denn Sie werden den Hinterbliebenen bei der Trauerarbeit keinen Gefallen tun. Diese müssen den Verlust eines Menschen verkraften, schätzen Aufrichtigkeit mehr denn je und wollen auf keinen Fall Heuchelei. Je größer die Rolle war, die eine Person im Leben einer anderen gespielt hat, desto größer wird auch die Lücke sein, die sie nach ihrem Tod hinterlässt. Ein Mensch, der die Intensität der Trauer nicht teilt, wird eher Befremden auslösen. Absolute No-Gos sind in jedem Fall: lieblose neudeutsche Abkürzungen wie *traurigbin*, weinende Emoticons und dergleichen. Und natürlich Schlampigkeits- und Rechtschreibfehler. Wenn Sie gar keine oder nicht die richtigen Worte finden, ersparen Sie das den Hinterbliebenen. Auch pietätvolles Schweigen kann schließlich eine Art sein, Trauer auszudrücken.

 

Immer noch das stärkste Signal: ein persönlicher Brief.

Der große Knigge rät generell von digitalen Medien zum Kondolieren ab, denn Mail oder SMS können keine Kondolenzkarte ersetzen. Diese Medien werden vom Empfänger immer noch als weniger wertvoll eingestuft und wirken sehr unpersönlich. In Kombination mit einer Kondolenzkarte können Sie dennoch sinnvoll sein, etwa um unmittelbar darüber zu informieren, dass man vom Todesfall gehört hat und sehr bestürzt ist. Hat Ihnen dieser Mensch aber wirklich etwas bedeutet, schicken Sie danach aber lieber eine Kondolenzkarte nach mit ein paar aufrichtigen, ehrlichen Worten. Denn eins wäre sogar noch trauriger als der Tod: Wenn ein irdisches Leben nicht einmal die Mühe wert wäre, dass ein anderer Mensch für ein paar Momente zum Stift greift und seine Gedanken zu Papier bringt. 

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