Vom Papst bis zum Hofrat: So finden Sie Anreden für Briefe an Gott und die Welt.

18. November 2014
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Am Anfang war das Wort. Das steht schon in der Bibel. Im Falle eines Briefes beginnt alles mit der Wahl der passenden Anrede. Und auch hier gibt es ein paar Gebote, mit denen Sie sich in der Wüste der Anreden zurechtfinden müssen.

 

In Zeiten des lockeren Facebook-Du sehen viele Menschen das Thema Anrede nicht mehr ganz so eng – bis hinauf in höchste Kreise. Nachdem ein 19jähriger Ingenieurschüler aus Padua dem Papst einen Brief geschrieben hatte, rief ihn der volksnahe Oberhirte kurzerhand zurück. Franziskus scherzte, fachsimpelte über Fußball – und bot dem jungen Italiener sofort das Du-Wort an, so wie Jesus seinen Jüngern. Seinen nächsten Brief kann der glückliche Stefano Cabizza nun also hochoffiziell mit den Worten „Hallo, mein lieber Franziskus, wie geht es dir?“ beginnen. Aber wer kann schon ahnen, dass man den Pontifex so flapsig anschreiben darf? Falls Sie dem Papst, dem Bundeskanzler oder einer Firma etwas zu sagen haben und absolut nichts falsch machen möchten, haben wir dennoch ein paar nützliche Tipps für Sie.

 

Wie schreibt man kirchliche Würdenträger an?

Noch nie war die Zahl der lebenden Päpste höher. Ein Grund mehr, einem davon zu schreiben – zum Beispiel dem amtierenden. Wenn Sie jedoch noch keinen netten Anruf vom Papst erhalten haben und zudem jünger als der gute Franziskus sind, dann sind Sie leider noch nicht mit ihm auf Du und Du. Die Katholiken bevorzugen, dass man den Papst mit "Heiliger Vater" anspricht. Einen Kardinal sprechen Sie grundsätzlich mit "Eure Eminenz" an, für einen Abt tut es ein saloppes "Hochehrwürdigster Herr Prälat". Eine Liste mit Anreden für  weitere ehrwürdige Damen und Herren  – und auch für Würdenträger anderer Religionen  – finden Sie hier. Kleiner Tipp: Mit einem "Grüß Gott" vor der Anrede machen Sie beim Empfänger sicher keinen schlechten Eindruck.

 

Kommt der Name oder das Amt in die Anrede?

Wenn Sie einen offiziellen Brief an einen Amtsträger in dessen Funktion schreiben, sollten Sie dem Amt den Vorzug vor dem Namen geben. Das zeigt Respekt. Also schreiben Sie besser „Sehr geehrter Herr Bundeskanzler“ oder auch „Sehr geehrter Herr Botschafter“ anstatt deren Namen.

 

Welcher Titel soll genannt werden?

Österreich liebt seine Titel. Einige muss man sich hart erarbeiten, andere werden einfach verliehen – wie Hofrat, Kommerzialrat, Oberstudienrat u.ä. Einigen Trägern dieser nichtakademischen Titel machen Sie mit deren Erwähnung vermutlich eine ziemliche Freude, andere pfeifen auf diese zweifelhafte Würde. Es bleibt Ihnen also selbst überlassen, ob Sie Udo Jürgens als "Herr Professor h.c." anreden. Aber echte akademische Grade können ruhig erwähnt werden. In der Adresse können alle Titel genannt werden. In der Brief-Anrede wird jedoch dem höchsten Titel der Vorzug gegeben. Also „Sehr geehrter Herr Professor“ für Herrn Professor Dr. XY. Danach können Sie auch noch den Namen setzen, müssen es aber nicht. Schreiben Sie an eine weibliche Empfängerin, wird der Titel in die weibliche Form gesetzt, also „Sehr geehrte Frau Professorin XX“. Einzige Ausnahme: Frau Dr. wird nicht zur Doktorin.

  

Mann und Frau – wer kommt zuerst?

Wenn Sie einen geschäftlichen Brief an zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts schreiben, dann entscheidet die Hierarchie in der Firma. Geht es um einen männlichen Geschäftsführer und dessen Assistentin, sollten Sie den Mann zuerst nennen. Sonst heißt es natürlich für Wohlerzogene: Ladys First!

 

Einer Firma schreiben – wie geht das ohne Ansprechperson?

Meistens besteht eine Firma aus Damen und Herren. Mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ liegt man hier also nicht verkehrt, wenn Sie an einen großen Konzern schreiben. Natürlich kann man die Damen und Herren dort auch als „Sehr geehrtes (Firma XY)-Team“ ansprechen. Aber es geht auch moderner. Eine Anrede wie „Hallo, liebes XY-Team“ ist absolut okay, wenn Sie an eine Firma schreiben, die sich betont locker und jugendlich gibt. Vermeiden Sie nur eins: Eine Firma wie eine Person anzusprechen. Die „liebe XY-Bank“ wird Ihnen auch nicht mehr Taschengeld geben.

 

„Sehr geehrte(r)“, „Hochachtungsvoll“ & Co. – ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Nun, es ist zumindest nicht verkehrt. Aber heute gibt es auch etwas lockerere Alternativen. „Guten Tag, Frau XX“ oder „Liebe Kollegen“ ist durchaus zulässig. Aber natürlich kommt es immer darauf an, wem Sie schreiben. Verlassen Sie sich da auf Ihren Instinkt. Wenn Sie an eine Ratgeberecke eines hippen Lifestyle-Magazins schreiben, könnten Sie mit klassischen Anredeformen durchaus ein bisschen retro wirken. Wenn Sie aber an das Amt für Verkehrsstrafen schreiben, werden Sie mit „Hallo, liebe Leute!“ und „Grüß Euch, alle miteinander!“ vermutlich eher Befremden auslösen.

 

Welches Satzzeichen setzt man: Beistrich oder Rufzeichen?

Ganz ehrlich: Das ist ein bisschen i-Tüpfelchen-Reiten. Laut Knigge setzt man an das Ende einer förmlichen Anrede einen Beistrich und schreibt dann in der nächsten Zeile klein weiter. Aber ein Rufzeichen ist wirklich um nichts schlechter!

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