Kein Selfie beim Ausdruck: Mit Rechnungen per Post haben Sie leicht lachen.

14. November 2014
Selfie

Handybetreiber und andere Firmen machen es sich gerne leicht und bieten Ihnen am liebsten e-Rechnungen an. Doch bei den Kunden kommt die vermeintlich praktische e-Rechnung nicht immer so gut an. Denn meistens verhält sie sich etwas zu unauffällig. Und ausdrucken müssten Sie sie auch noch selber. Dabei haben Sie jederzeit die Wahl, gleich eine Papierrechnung zu verlangen. 

 

Gäbe es elektronische Briefträger, dann hätten sie heutzutage einiges zu schleppen. 20 und mehr E-Mails pro Tag sind keine Seltenheit mehr. Bei manchen Accounts landen sogar dreistellige Mail-Anzahlen pro Tag im Postfach. Und nicht immer hat man Lust dazu, seine Mailbox jeden Tag abzufragen und aufzuräumen. Besonders nach Urlauben können sich schnell einige hundert Mails angesammelt haben. Doch wichtig sind meist die wenigsten davon. Da kann es leicht passieren, dass sich wichtige Rechnungen – zum Beispiel die Handyrechnung – zwischen einer Flut von unbedeutenden Mails verstecken.

 

Eine e-Rechnung hat für viele Kunden wenig Gewicht.

Das Problem ist: Was mit einer Flut aus unwichtigen Nachrichten angespült wird, verliert selbst an Bedeutung. Eine Studie der österreichischen Post quer durch verschiedene Bevölkerungsgruppen hat ergeben: e-Rechnungen werden immer noch als "weniger wichtig“ als physische Rechnungen eingestuft. Und so werden elektronische Rechnungen gerne übersehen, mitunter sogar gelöscht oder irgendwann einfach verloren. Eine e-Rechnung gilt jedoch als zugestellt, wenn Sie abrufbereit im Posteingang liegt – selbst wenn Sie in einem SPAM-Filter landet. Sollten Sie also auf Urlaub fahren und Ihre Mails nicht abrufen können, richten Sie also am besten eine automatisierte Abwesenheitsnotiz ein. Dann ist eine Zusendung innerhalb dieser Zeit unwirksam. Aber selbst, wenn sie die e-Rechnung entdecken, tendieren viele User dazu, diese wieder zu löschen – in der Annahme, dass "wichtige" Rechnungen sowieso noch einmal postalisch versendet werden. Aber das muss nicht unbedingt stimmen. Speziell bei Telekommunikationsfirmen stellt man Sie gerne vor die Wahl, ob Sie eine Rechnung auf Papier oder eine e-Rechnung möchten. Und natürlich rät man Ihnen zur praktischen elektronische Variante. Haben Sie der e-Rechnung zugestimmt, schickt man Ihnen auch nur diese. Zumindest vorerst.

 

Eine Papierrechnung hat nicht nur subjektiv einen höheren Wert.

Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt man. Und e-Mails kosten nichts. In den Köpfen vieler Kunden sind e-Rechnungen im Vergleich zu Papierrechnungen also dasselbe wie Monopoly-Geld verglichen mit echtem Geld. Deshalb sehen sie meist auch keine unmittelbare Veranlassung, sich von ihrem echtem Geld zu trennen – der "call to action" ist eher ein stiller Aufschrei. Anders ist die Situation bei einer postalischen Rechnung. Denn im Briefkasten befindet sich meist weniger Unwichtiges als im Mail-Eingang. Das hat viele Gründe. Einer davon ist ganz einfach: Das Verschicken von Postsendungen kostet den Versender etwas. Das Porto wirkt hier schon wie ein SPAM-Filter: Jeder Absender überlegt sich viel genauer, ob er ihnen etwas schicken will. Verrechnen darf er Ihnen allerdings nichts. Der Oberste Gerichthof hat geurteilt, dass eine Papierrechnung nichts kosten darf, da es sich um eine vertragliche Nebenpflicht das Ausstellers handelt. Hat dieser dafür trotzdem ein Entgelt verlangt, darf dieses sogar rückgefordert werden.

 

Die Rechnung im Briefkasten suggeriert Handlungsbedarf.

Niemand bekommt gerne Rechnungen, denn das bedeutet wohl oder übel, dass man etwas bezahlen wird müssen. Um eine entsprechende Zahlungsmoral zu entwickeln, muss man das realisieren. Realisieren wiederum erfordert eine gewisse Realität. Und das, was ein realer Briefträger – und kein Datenkabel – Ihnen ins Haus liefert, ist schon ziemlich real. Außerdem wenden Sie auch mehr Zeit auf, um sich bewusst zu machen, dass es sich um eine echte Zahlungsaufforderung handelt.  Schließlich gehen Sie zum Briefkasten, schauen auf den Absender, öffnen den Brief und finden die Rechnung. Am Ende haben Sie ein physisches Schriftstück in der Hand, das Ihnen mitteilt, dass Sie sich von etwas Geld trennen müssen. Und zwar von ebenso realem Geld. 

 

Willkommen in der Realität: Wenn aus e-Rechnungen echte Forderungen werden. 

Es ist also schon ein bisschen schwieriger und auch unangenehmer, auf eine Rechnung per Brief nicht zu reagieren. Schließlich hat Ihnen das Unternehmen – zum Beispiel Ihr Mobilfunkbetreiber – auf eigene Kosten eine Rechnung auf Papier zugestellt. Aber selbst wenn Sie zuerst nur eine e-Rechnung erhalten haben, vergessen Sie bitte nicht: Irgendwann wird sogar daraus Realität – nämlich dann, wenn Sie nicht zahlen. Und dabei ist es dem Versender herzlich egal, ob Sie seine Rechnung unabsichtlich übersehen haben. Er fährt dann schwerere Geschütze auf. Nun muss eben doch der Briefträger sie daran erinnern, dass eine Zahlung unverzüglich zu leisten ist. Und dann gibt es auch nichts mehr gratis. Denn bei einer Mahnung entstehen bereits die ersten vermeidbaren Kosten. Je länger Sie warten, desto unangenehmer wird es für Sie. Es fällt vielleicht leicht, die unpersönlichen e-Rechnungen eine Zeitlang zu ignorieren. Aber irgendwann kommt garantiert jemand persönlich vorbei, um sich das Geld abzuholen. Und der lässt sich dann leider nicht mehr so einfach per Mausklick entfernen. 

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