Weltweiter Zugriff: Paradies für Hacker.

25. November 2014
Anonymous

Vom politischen Skandal bis zur eigenen Privatsphäre – alles ist im Internet abgelegt. Natürlich in verschiedenen „Schubladen“, die im Idealfall nur von bestimmten Personen geöffnet werden sollten. Doch durch die globale Vernetzung ist jeder Datensatz theoretisch für jeden Nutzer zugänglich, ohne dass man sich dafür zu erkennen geben oder vom Schreibtisch aufstehen muss – auch für Privatpersonen.

 

Kennen Sie den Film “Wargames“? Darin wählt ein computerbegeisterter Schüler mit seinem Telefon-Modem nichtsahnend den neuen Supercomputer der Verteidigungskräfte an und löst beinahe einen Atomkrieg aus. Das ist mittlerweile mehr als dreißig Jahre her. Aber dass die Vernetzung von Computern eine machtvolle Waffe sein kann, wenn man an der richtigen Adresse landet, bezweifelt niemand mehr. Und dass es am anderen Ende der Leitung heute längst mehr zu entdecken gibt als militärische Ziele.

 

Das Internet: fast alle schon angesteckt.

Aktuell sind in Österreich bereits mehr als 8 von 10 Haushalten ans Internet angeschlossen, also mit allen anderen Nutzern weltweit verbunden. In manchen Ländern wie etwa den Niederlanden nähern wir uns gar den 100%. Jeder Nutzer hat somit auch Zugang zu einem immensen Datenarchiv. Das kann man sich als gigantische Lagerhalle voller Datenschränke mit Milliarden Schubladen vorstellen, die von unterschiedlich guten Vorhängeschlössern gesichert sind. Diese Schubladen wurden von Ihnen und sämtlichen anderen Nutzern im Laufe der Jahre fleißig mit mehr oder weniger brisanten Daten befüllt. Man kann selbst nun darin herumschlendern und sich ein bisschen umsehen – oder versuchen, einen Blick in die verschlossene Schubladen zu werfen. Denn die Schubladen kann öffnen, wer den Schlüssel findet – oder die Schlösser knackt: ein Hacker.

 Anonymous

 

Hacker verfolgen viele Ziele – aber jeder kann eins werden.

Ob der Angriff auf den Inhalt des abgelegten Datensatzes gut oder schlecht ist, hängt natürlich davon ab, was dort vorher unter Verschluss war. Schließlich könnte es sich um die Aufdeckung eines politischen Skandals oder einer vertuschten Menschenrechtsverletzung handeln. Solche Zwecke verfolgt etwa die Plattform Wikileaks. Auch die Mitglieder des losen Hacker-Kollektivs Anonymous sehen sich eher als ehrenvolle Einzelkämpfer gegen dubiose Machenschaften von Regierungen, Geheimdiensten und Konzernen. Deshalb verstecken sie ihr Gesicht hinter der Maske des breit grinsenden britischen Widerstandskämpfers Guy Fawkes. In Österreich erregte das Kollektiv zuletzt Aufsehen, weil es an sensible Patientendaten aus Tirol gelangt war – zum Beispiel auch jene von Tobias Moretti und Hansi Hinterseer. Anonymous meinte allerdings, man sei darüber „gestolpert“. Das würde bedeuten: Die Schublade war schon offen.

 

Das Netz kennt weder Distanzen noch Grenzen.

Genauso gut hätte aber auch ein Teenager in Los Angeles darüber stolpern können oder eine Pensionistin in Australien. Denn Daten haben keine Heimat, sondern bewegen sich in Bruchteilen von Sekunden rund um den Globus. So braucht etwa eine Google Anfrage für 2500km gerade einmal 0,2 Sekunden. Und wenn Sie mit jemandem chatten, macht es keinen Unterschied, ob die Person direkt neben Ihnen sitzt oder in Honolulu. Alles geschieht in Echtzeit. Wikileaks hat Skandale in Syrien ebenso aufgedeckt wie auf Kuba. Und Anonynomous will vom Wohnzimmer aus im Nahen Osten mitmischen. Das heißt aber auch eins: Endabnehmer für einen Datensatz können auf der ganzen Welt sitzen. Hacker aus Nepal haben genau die gleichen Chancen wie ihre österreichischen Kollegen, über die Krankheitsgeschichte von Hansi Hinterseer zu stolpern.

 

Ein Einbruch in die Privatsphäre kann aus der Ferne geschehen.

Wenn vor dreißig Jahren ein Maskierter von Ihnen etwas entwenden wollte, dann musste er schon bei Ihnen vorbei kommen, denn die Privatsphäre entsprach größtenteils unserem Lebensumfeld. Heute kann sich jeder Mensch – egal ob mit guten oder bösen Absichten – aus sicherer Entfernung im Leben eines anderen umsehen, denn auch dessen Privatsphäre ist teilweise in diversen Schubladen des Internets abgelegt. Eine Maske tragen muss er dafür eigentlich nicht, denn Sie können ihn ja gar nicht sehen. Die Anonymität und Entfernung des Internets macht Angriffe leichter und risikoloser.

 

Ihre Privatsphäre ist mehr als nur virtuell.

Doch vergessen Sie nicht – Ihre Privatsphäre besteht auch heutzutage nicht nur aus digitalen Daten, sonden auch aus Elementen, auf die Personen aus der Ferne keinen Zugriff haben. Zum Beispiel jede Kommunikation, die nicht über globale Netze gestreut wird, sondern mechanisch und linear abläuft. Der Teenager aus Los Angeles und die Pensionistin aus Sydney können also unmöglich über Ihre Briefe stolpern oder diese abfangen. Denn das Schloss, das es da zu öffnen gibt, ist ein Briefkuvert auf direkten Weg zum Empfänger. Und wenn irgendjemand das knacken will, muss er leider in Österreich vorbei kommen. Und dann müsste er wohl auch eine Maske tragen – allerdings keine von Guy Fawkes.

 

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