Klicks und Kamele: So sieht Google die Welt.

25. November 2014
Google schickt Kamele in die Wüste

Selbst die Wüste ist schon eine Datenwüste: Google hält jedes Sandkorn auf seinen Festplatten fest. In nur sechzehn Jahren ist aus einer Garagenfirma ein Gigant geworden, der die gesamte Welt kennt. Natürlich auch Ihre.

 

Während Sie diese Zeilen lesen, sitzt der Online-Konzern Google auch nicht gerade untätig in der kalifornischen Stadt Mountain View herum. Natürlich weiß man dort längst, dass Sie hier sind. Vielleicht haben Sie diese Seite ja sogar mit Google gefunden. Denn eigentlich ist Google eine gute Erfindung. Als mächtigste Suchmaschine der Welt bringt Google so gut wie alles, was es im Internet gibt, ans Licht. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten.

 

Google macht sich ein Bild von allem – auch von Ihnen.

Google Earth klingt fast schon wie der neue Name unseres Heimatplaneten, denn tatsächlich ist die Erde fest in der Hand des kalifornischen Internetgiganten. Und der neue Eigentümer gibt sich alle Mühe, sich ein Bild von seinem Zuhause zu machen. Und natürlich von Ihrem. Denn mittlerweile hat das Unternehmen fast die ganze Welt mithilfe von Autos, Satelliten und sogar Kamelen – die in der Wüste kompetentere Kameraassistenten abgeben – fotografiert. Ihr Haus natürlich auch. Und Ihr Auto, falls es nicht gerade in der Garage stand. Vielleicht sogar Sie, womöglich so, wie Sie sich nicht gerne im Internet sehen. Die Streetview-Autos können schließlich nicht warten, bis Sie für das Foto bereit sind. Sie holen sich von allem aus dem Leben einen Ausschnitt. Manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Einer Kanadierin, die im knappen Bikini vor ihrem Hauseingang geblitzt wurde, bekam dafür immerhin 2000 Dollar Schadenersatz zugesprochen. Sie sah sich durch die Verwendung ihres freizügigen Bildes bei Google Streetview in ihrer Privatsphäre verletzt und bekam vom Gericht Recht. Ein schöner Achtungserfolg. Aber letzten Endes nur ein Tropfen auf dem heißen Datenschutz-Stein.

 

Google finds you 

 

Alles gnadenlos gespeichert und fotografiert.

Sollten Sie gerade nicht zu Hause gewesen sein, machen Sie sich trotzdem keine Sorgen, dass die weltgrößte Suchmaschine Sie nicht findet. Denn Google weiß fast über jeden irgendwas. Und erstellt von seinen Usern – und ganz ehrlich: Wer ist das nicht? – munter Bewegungsprofile, analysiert Internetverhalten und errechnet Präferenzlisten. Was Google über Sie weiß, finden Sie hier. Schließlich wollen Konzerne laufend mit Wissenswertem über potenzielle Konsumenten versorgt werden und ihre Zielgruppe bestmöglich erreichen. Deshalb werden Userdaten gespeichert und darin gezielt nach relevanten Informationen gesucht. Und es gibt so gut wie nichts, was Google nicht findet, auch wenn es schon eine Weile her ist. Also passen Sie gut auf, was Sie im Internet von sich geben. Denn Spuren im Internet sind ähnlich wie Spuren am Mond: Sie verblassen nicht. Und das Internet ist gnadenlos. Es vergisst nichts und verzeiht nichts.

 

Kleiner Lichtblick: Ein neues Gesetz soll Google zur Amnesie zwingen.

Oder doch? Ein neues Gesetz zwingt Google nun eine Art Vergesslichkeit auf. Suchergebnisse, welche die Privatsphäre von Nutzern verletzen, müssen neuerdings auf Wunsch entfernt werden. Doch keine Sorge, abgesehen davon bietet die digitale Kommunikation rechtlich gesehen immer noch ziemlich viele Angriffsflächen, Schlupflöcher und Grauzonen. Und das eifrige Datensammeln kann recht ungehindert weiter gehen. 

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