Ihre Daten: Willkommen in Bluffdale.

25. November 2014
Datenserver

Kein Bluff: Die totale digitale Überwachung ist möglicherweise schon Realität. Denn in Bluffdale im US-Bundesstaat Utah wurde 2013 das größte Datencenter der NSA eröffnet, das ganz salopp "Intelligence Community Comprehensive National Cyber-Security Initiative Data Center" heißt. Hier werden sämtliche Kommunikationsdaten aus aller Welt gespeichert und ausgewertet.

 

Die Stadt Bluffdale hat, je nachdem wie man es sieht, 8000 oder 7 Milliarden Einwohner. Denn einerseits handelt es sich um ein Nest im trockenen Bundesstaat Utah mit einer hohen Dichte an Mormonen, andererseits um das mit einer Fläche von über 90000 Quadratmetern größte Datencenter der NSA. Was dort passiert, ist natürlich streng geheim. Aber eins ist recht offensichtlich: Die Geheimdienste sind ihrem Ziel, die weltweite digitale Kommunikation lückenlos zu überwachen und zu analysieren, einem großen Stück näher gekommen.

 

Geschätze Speicherkapazität pro Minute: 31 Millionen Bücher.

Über die Speicherkapazität der riesigen Anlage lässt sich wegen der Geheimhaltung nichts Genaues sagen. Schätzungen zufolge soll das Utah Data Center eine Kapazität von einigen Exabyte – also ein paar Millionen Terabyte – bis zu einem Yottabyte, also einer Billion Terabyte haben. Sollte Letzteres zutreffen, dann würde das bedeuten, dass für jeden Erdenbürger bis zu 140 Terabyte Speicher zur Verfügung stünden. Die geschätzte Speicherrate pro Minute beträgt übrigens 20 Terabyte. Das eintspricht dem Gesamtbestand der gesamten amerikanischen Kongressbibliothek mit über 31 Millionen Büchern. Eine ganze Menge, die die NSA da gemütlich mitschreiben kann. Bei all der Kapazität ließe sich da schon ein lauschiges Plätzchen für Ihre Daten finden. Die wollen Sie nicht hergeben? Macht nichts. Das erledigen andere für Sie.

 

Die inoffiziellen Alliierten: Google, Apple, Facebook, Yahoo, At&T.

Natürlich geben es die großen Internetkonzerne nicht gerne offen zu, dass sie die NSA mit Daten beliefern. Aber irgendwo müssen die Informationen ja herkommen. Bereits im Jahr 2006 hat ein At&T-Mitarbeiter ausgeplaudert,  dass sich die Geheimdienste auf ihre Netzknotenpunkte aufschalten. Und da es im Internet keine geographischen Grenzen gibt, sondern Daten quer über den Globus geschickt werden, strömen mit ziemlicher Sicherheit auch Ihre gelegentlich durch amerikanische Knotenpunkte  – egal, ob Sie in der Nähe von Tulln oder Bluffdale wohnen.

 

Vermeiden Sie gefährliche Wörter wie „Schwein“, „krank“, „Schnee“ und „U-Bahn“.

Wie auch immer es geschieht, man kann sich ausmalen, dass die NSA auch an Ihre Daten herankommt, auch wenn sie natürlich vehement bestreitet, dass Zivilpersonen überwacht werden. Allerdings ist ja auch ein Terrorverdächtiger anfangs meist nichts Anderes als eine Zivilperson. Sie werden jetzt vielleicht sagen, dass Sie nichts zu verbergen haben und nichts Böses im Schilde führen. Doch das Recht auf Privatsphäre setzt schließlich nicht voraus, dass man etwas Ungesetzliches tun will. Es ist ja auch nicht besonders angenehm, wenn man in Bluffdale weiß, welche Internetseiten Sie sich ansehen, wofür Sie Ihr Geld ausgeben und dass Sie Ihren Partner gelegentlch „Schnuckiputzi“ nennen. Das allein mag noch nicht besonders interessant für die NSA klingen. Bedenklich wird die Situation aber, wenn man sich die Liste der „gefährlichen Wörter“ ansieht, die bei Geheimdiensten für Hellhörigkeit sorgen und deren Rechner auf der Suche nach Gefahr anspringen lassen. Denn da sind auch ganz banale Ausdrücke wie „Schnee“, „Wolke“, „krank“, „elektrisch“, „U-Bahn“ und „Schwein“ dabei. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie die nie verwenden? Falls doch, dann sagen die Geheimdienst-Analysten schon mal: „See you in Bluffdale!“

 

„Save the world“ – die ganze Welt auf Festplatte.

So schnell kann man also auch als Privatperson völlig ahnungslos ins Visier geraten. Und wer an die totale Überwachung glaubt, wird heutzutage nicht mehr als Paranoiker abgestempelt. Schließlich hinterlässt jede digitale Aktivität Spuren, kann gespeichert und analysiert werden. Und die Speicherkapazitäten werden weltweit laufend aufgestockt. Das Utah Data Center ist derzeit noch das zweitgrößte der Welt. Auch wenn das größte Rechenzentrum der Welt in Las Vegas SuperNAP heißt  („nap“ ist auch das englische Wort für Nickerchen) – die Datensammler werden nicht müde. In China befindet sich bereits ein weit größeres Zentrum namens Range International Information Hub in Bau – in einer Stadt mit dem bezeichnenden Namen Langfang. Seine Dimensionen sind gigantisch: Mit über 580000 Quadratmetern ist es mehr sechs Mal so groß wie das Utah Data Center. Seine Fläche entspricht etwa jener des Pentagons bzw. über 80 Fußballfeldern.

 

BetterNoLetter

 

Alles da, nur eins fehlt: Ihr Briefverkehr – damit ärgern Sie die Geheimdienste.

Unscheinbare Orte wie Langfang und Bluffdale entwickeln sich mehr und mehr zu den Zentren der neuen Welt. Denn hier läuft die gesamte digitale Kommunikation zusammen, wird archiviert und analysiert. Auch wenn Utah mehr als 8000 Kilometer weit weg liegt, bedeutet dass nicht, dass Sie dort nur ein entfernter Bekannter bleiben müssen. Denn aus verschiedensten Datensätzen wie E-Mails, Facebook-Posts, Kreditkartendaten und dem Verlauf besuchter Websites lässt sich bei Bedarf ein recht genaues Muster von jedem von uns erstellen. Und doch gibt es ganz simple Wege, um dem Eindringen in die Privatsphäre zumindest teilweise ein Schnippchen zu schlagen. Zum Beispiel Webcams abdecken, wenn sie nicht genutzt werden. Und dem „Schnuckiputzi“ lieber einen Brief schreiben. Den kann die NSA aus der Ferne nämlich garantiert nicht mitlesen – zumindest, falls Sie beim Schreiben nicht gerade im Freien sitzen und Ihnen ein Satellit über die Schulter schaut. Aber vielleicht ist da ja auch eine gefährliche Wolke im Weg.

 

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